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"Bandhaus außer Haus"

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Aktuelles

Arsen & Spitzenhäubchen

Ein Dutzend Leichen im Keller

 

Backnanger Bürgerbühne bringt den Klassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“ auf die Bühne und darf sich feiern lassen

 

Von Claudia Ackermann

 

BACKNANG.Es ist die fünfte Produktion der Backnanger Bürgerbühne. Im ausverkauften Bandhaus-Theater fand die Premiere zu ihrem neuen Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ unter der Regie von Boris C. Motzki statt – eine turbulente Umsetzung des Klassikers mit viel schwarzem Humor.

 

Das Bühnenbild erinnert an eine Tapete aus früheren Zeiten, die Umrisse an eine Briefmarke oder eine alte Fotoumrahmung. Verschiedene Türen führen in ein Gebäude. Im Vordergrund ein Tisch, an dem zwei ältere Damen in altmodischen Kostümen Tee trinken und sich leise unterhalten. Eigentlich hat die Aufführung noch nicht begonnen. Die Zuschauer suchen noch ihre Sitzplätze. Es ist ein fließender Übergang zum Start des Stückes.

 

Der Klassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“, der 1939 von Joseph Kesselring als Theaterstück geschrieben und 1944 mit Cary Grant verfilmt wurde, ist eine rabenschwarze Komödie.

 

Die beiden reizenden alten Damen Abby und Martha Brewster haben ein dunkles Geheimnis. Ihr Neffe Mortimer, der sich gerade mit der Nachbarstochter Elaine (Elisabeth Wolf) verlobt hat, findet nämlich heraus, dass seine Tanten ein Dutzend Leichen im Keller haben…

 

Herrlich überkandidelt sind Gaby Miletic und Sylvia Bollinger in den Rollen der vermeintlich harmlosen, alten Damen. Sie sorgen allein mit der zickigen Darstellung mit ihren gespitzten Mündern für reichlich Lacher. Mortimer (Volker Seifert) mimt mal den arroganten Macho, dann kann er aber auch aus Verzweiflung in Rage geraten – und das mit vollem Körpereinsatz.

 

Die beiden alten Damen kümmern sich um einen weiteren Neffen, den geistig etwas verwirrten Teddy (Ralf Kleinpeter), der glaubt, der Vorsitzende einer imaginären Partei zu sein. Ihn können sie dazu bringen, die Herren, die als Untermieter zu ihnen kommen und die sie mit Arsen, Strychnin und Zyankali im Wein vergiften, im Keller zu begraben. Die Lacher hat Kleinpeter als tapsiger Teddy, der immer wieder zur Attacke aufruft oder aus dem Keller gekrochen kommt, auf seiner Seite. Und dann taucht noch der lang verschollene, unheimliche Neffe Jonathan mit seinem Begleiter Dr. Einstein (Matthias Wagner) auf, der Jonathan umoperiert hat, sodass er jetzt aussieht wie Frankensteins Monster. Wunderbar gruselig spielt Serina Wiesenthal den Jonathan. Das Gesicht hell geschminkt mit dunkel unterlegten Augen. Narben sind im Gesicht unter dem verbundenen Kopf zu sehen. Angsteinflößend sind der Blick und die eiskalte Gelassenheit. Auch Jonathan stellt sich als mehrfacher Mörder heraus und hat eine Leiche im Gepäck …

 

Die Backnanger Bürgerbühne, die im Herbst 2013 ins Leben gerufen wurde, hat sich weiterentwickelt. Erstmals wirkt der Bühnenbildner Manuel Kolip, der auch für die Kostüme zuständig ist, bei einer Produktion mit. In schwarzen Spitzenkleidern mit Federschmuck im Haar tauchen die beiden alten Damen zu einer Trauerfeier auf, die für eine der Leichen abgehalten werden soll, und ernten begeisterten Zwischenapplaus. Eher an Party als an Trauer erinnern die Kostüme. Regisseur Boris C. Motzki war von 2014 bis 2017 stellvertretender Intendant und Schauspielleiter am Landestheater Eisenach. „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist schon seine zweite Produktion mit der Bürgerbühne am Bandhaus Theater.

 

Turbulent geht es in der Komödie zu. Szenenapplaus erhält auch der Polizist Officer O’Hara (Hannes Gärtig), der dem Theaterkritiker Mortimer unbedingt ein selbst geschriebenes Stück vorstellen will und es wortlos, nur mit urkomischer Mimik und Gestik vorspielt. In weiteren Pollen: Felix Weber, Rainer Lachenmaier, Mieke Müller-Nielsen, Tosca Lang, Sylvia Kappel und Elisabeth Bott. Szenen werden in der Inszenierung mit Filmmusik untermalt. So erklingen Motive aus Hitchcock-Klassikern wie „Psycho“ oder „Vertigo“ und Melodien aus französischen Gangsterfilmen. So gruselig-ironisch und skurril das Stück ist, am Ende tanzen die Darsteller ausgelassen zu Michael Jacksons „Thriller“ und lassen sich vom begeisterten Publikum feiern.

 

Quelle: Backnanger Kreiszeitung Stadt & Kreis, 30.04.2018

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